header 

DIE NACHT DER SPIRITUELLEN LIEDER

Singen in die Dunkelheit, von der Sonne ein Lied...
Mit dieser Intention wurde Anfang 2004 die Idee der „Nacht der spirituellen Lieder" von Alwine Deege ins Leben gerufen. Sie verbreitete sich von Aachen ausgehend in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus. Zeitweilig waren es über 90 Städte, in denen regelmäßig Hunderte von Menschen - meist in Kirchen - zusammenkamen, um für 3 - 4 Stunden miteinander zu singen: Lieder dieser Erde, aus allen Religionen und Kulturen, heilige Gesänge, Mantras, Chants, Lieder aus Taize, Gesänge der Indianer und Gospel aus Afrika.

Im gemeinsamen Singen einfacher spiritueller Lieder in einem schönen, geschützten Raum kann es geschehen: Wir erleben, dass da etwas ist, das größer ist als wir selbst, wie auch immer wir dieses 'ES' nennen. Bei diesen Singnächten kann jeder so sein, wie ihm/ihr gerade zumute ist, mit dem ganz eigenen Glauben und der eigenen Gottesvorstellung, mit dem, was gerade in ihm/ihr lebt, was er/sie denkt und fühlt und ist.
In dem gemeinsamen Singen heilsamer, von Herzen kommender Lieder treffen wir uns, Menschen, die sich nach der Liebe und dem Licht sehnen und vielleicht manchmal im Singen etwas davon in unserer eigenen Seele erfahren.

LÜBECK
In Lübeck findet die „Nacht der spirituellen Lieder“ seit 2014 regelmäßig 1 - 2 mal (einmal sogar 3 mal) im Jahr statt.

Angelika Ruba und Rainer Lichterstein riefen sie damals, mit musikalischer Beratung durch Martina vom Hövel, ins Leben und sie wurde zu einer festen Institution in Lübeck.
Nach coronabedingter Pause fand die erste Liedernacht wieder 2023 statt, jetzt, 2026, wird es sie gleich zweimal geben.

Die „Nacht der spirituellen Lieder“ ist eine Benefizveranstaltung. Sie wird von einigen Musiker/innen ohne Gage angeleitet, der Eintritt ist bewusst frei, so dass jede*r daran teilnehmen kann und es gibt ein Helfer*innenteam, das unentgeltlich die Organisation übernimmt.
Natürlich entstehen trotzdem Kosten (Raummiete, Werbe- und Fahrtkosten). Deshalb werden an dem Abend Spenden eingesammelt, um diese abzudecken. Darüber hinaus versuchen wir, möglichst viel von der großartigen gemeinsamen Erfahrung weiterzugeben an andere Menschen: Der Überschuss geht an ein soziales Projekt.

 

Singen und Schwingen im Einklang
Meditatives Singen hat zu tun mit „ankommen": Ich komme (wieder) an bei mir, wir schwingen uns zusammen ein auf die Lieder und kommen schließlich gemeinsam an, bei uns selbst und in dem gemeinsam erschaffenen Klangraum. Durch unser gemeinsames Singen wird er von allen Beteiligten bewusst wahrgenommen, erlebt und die Klänge, die Lieder tragen uns, schwingen in uns weiter. Besonders gut fühlbar wird das im Nachschwingen lassen des eben gesungenen Liedes. Sich Raum und Zeit geben, nachwirken zu lassen - oh, wie schön ist das!

Im Vordergrund des Singens steht also das innere Erleben und nicht der äußere Klang. Darum ist es auch nicht notwendig, dass man singerfahren ist. Ich erlebe immer wieder Menschen, die mit dem Glaubenssatz umhergehen, dass sie nicht singen können. Dieser Satz ist gebunden an eine alte Verletzung und kann im geschützten Rahmen in einer Gruppe, die das meditative Singen praktiziert, aufgehoben werden. So können wir unsere Begeisterung für das Singen völlig neu für uns entdecken. Niemand wird kritisiert oder verglichen, jeder darf so singen, wie es gerade stimmt.

Für mich als Singkreisleiter ist es entspannend zu wissen, dass es nicht um einen perfekten Chorsound geht, sondern dass das Unperfekte das Perfekte ist. Es geht nur um das gemeinsame Erleben, das Miteinander. Es berührt mich immer wieder, wenn ich erleben darf, mit welcher Freude die Menschen im Singkreis singen, wie die Augen wieder zu leuchten beginnen, wie das Lächeln wieder zurückkehrt, wie sie wieder in ihre Kraft kommen (und das oft nach einer anstrengenden Arbeitswoche). Ganz besonders wird dieses Erleben, wenn 200 und mehr Menschen z.B. bei den spirituellen Liedernächten in Lübeck und anderswo gemeinsam ein Schwingungsfeld aufbauen - es ist immer wieder ein belebender Abend für alle.

Die Lieder werden durch einfaches vor- und nachsingen erlernt. Noten sind hierzu nicht notwendig, Melodien und Texte sind einfach, werden häufig wiederholt und mit Gitarre oder Rhythmusinstrumenten begleitet. Es sind Lieder aus verschiedensten Kulturen und Traditionen. Sie haben alle gemeinsam einen spirituellen Hintergrund, sind getragen von Liebe, Frieden und Licht, machen Mut und geben (innere) Kraft.

Ich persönlich habe die langjährige Erfahrung gemacht, dass sich durch das Singen spiritueller Lieder meine innere Ausgerichtetheit verschoben hat. Die ständige Wiederholung der Mantren kann bewirken, aus dem Kopf, also dem Denken, ins Herz, ins Innere zu kommen. Also, wenn wir uns keine Gedanken mehr um das Singen machen, wenn wir uns nicht mehr produzieren müssen, nicht mehr Besonderes erreichen wollen, sind wir unserer persönlichen Vollkommenheit ein Stück näher gekommen - es singt uns! Ich habe manche Lieder manchmal den halben Tag lang immer und immer wieder gesungen, gesummt, gedanklich oft nur, weil ich es beruflich nicht aus voller Kehle tun konnte. Diese Lieder haben mich oft durch den Tag getragen und tun es nun inzwischen schon automatisch. In so vielen Situationen fällt mir ein dazu passendes Lied ein, das mir dann hilft. Ich wurde gelassener, achtsamer und kam zunehmend immer mehr bei mir selber an, meiner Berührtheit, meiner Liebe zu mir und allem was ist.

Ein kleines Beispiel: „JA sagen! Immer wieder JA sagen!" Ein Satz, den man schon so oft gehört hat. Da ich inzwischen dazu innerlich eine wunderbare Melodie singe, fällt es mir viel leichter, im Alltag inne zu halten, auch in von mir im ersten Moment ungewollten Situationen, und innerlich dann tatsächlich JA zu sagen. Es ist wie einen „inneren Schalter umlegen". Spannenderweise verändert sich dann oft die äußere Situation, weil ich meine innere Haltung dazu verändert habe. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar!

Rainer Lichterstein